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Schlagwort-Archive: Bundestagswahl

Mein Last-Minute-Wahlaufruf

Andis Blog

Wahlplakat der Piratenpartei. Es zeigt einen grauen Wombat auf einer Wiese. Der zugehörige Slogan lautet: "Für einen Wombat in jedem Haushalt." Der Untertitel lautet: "Unrealisitsche Wahlversprechen können wir auch." Der Claim lautet: "Piraten wählen"Das Ende eines langen Wahlkampfs zeigt sich am Horizont, denn diesen Sonntag ist Bundestagswahl. Die Piraten und mit ihnen auch ich selbst stehen an diesem Tag zur Wahl und ich möchte jeden Leser dieses Artikels bitten uns an diesem Tag eine Chance zu geben.

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Demonstration gegen Internetüberwachung – Anti-PRISM

In den letzten Wochen war zuerst das amerikanische Spionageprogramm PRISM ans Licht der Öffentlichkeit gekommen und anschließend wurde infolge der ausgewerteten Informationen das britische Gegenstück Tempora bekannt. Das vom US-Militärgeheimdienst NSA initiierte PRISM überwacht weltweit die gesamte elektronische Kommunikation, die über die Server amerikanischer Internetunternehmen läuft. Der britische Nachrichtendienst GCHQ greift mit Tempora an der Glasfaserverbindung zwischen Europa und den USA, die über Nordengland verlegt ist, sämtliche Kommunikationsdaten ab.

»Die zunehmende heimliche Überwachung privater, wissenschaftlicher und geschäftlicher Kommunikationen durch Geheimdienste ist ein unerträglicher Zustand. Es ist Zeit, gegen diese massive Bespitzelung unserer Gesellschaft zu protestieren.«, erklärt Bastian Alex, zweiter Vorsitzender des Kreisverbandes Hameln-Pyrmont der Piratenpartei. “Es freut uns besonders, dass innerhalb so kurzer Zeit ein partei- und organisationenübergreifendes Bündnis zustande gekommen ist. Das zeigt ganz klar, dass dies ein Thema ist, das alle gesellschaftlichen Gruppen angeht.«

Aus dem Kreis Hameln-Pyrmont beteiligen sich an dem Aufruf zur Demonstration: die Piratenpartei, die JuSos sowie Bündnis 90/ Die Grünen.

Um dem Protest gegen die immer stärker werdende Internet-Überwachung Ausdruck zu verleihen, wird das Anti-PRISM-Bündnis am Samstag, den 29. Juni 2013, eine Demonstration gegen Überwachungsprogramme veranstalten. Die Demonstration beginnt um 13 Uhr in Hannover am Kröpcke. TeilnehmerInnen des parteiunabhängigen Bündnisses sind bisher Bündnis 90/ Die Grünen Niedersachsen, die Piratenpartei Niedersachsen, DIE LINKE. Niedersachsen, die FREIEN WÄHLER Niedersachsen, die Grüne Jugend Niedersachsen, die JuPis (Junge Piraten) Niedersachsen, die Jungen Liberalen Niedersachsen, Mehr Demokratie e.V., Digitalcourage e.V. und Digitale Gesellschaft e.V. Unterstützt wird die Demonstration auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Zudem werden sich Aktivisten von Anonymous und Blockupy an der Protestkundgebung beteiligen.

von Constantin Grosch (http://www.piraten-hameln.de/2013/06/demonstration-gegen-internetuberwachung-anti-prism/) [CC-BY-NC-SA-3.0], via Piratenpartei Hameln-Pyrmont

Und für die, die leider nicht dabei sein können – ist ja doch ziemlich kurzfristig 😉 – hier noch ein paar Links zu Petitionen zum Thema:

Weil jede Stimme zählt!

 

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Macht die Fresse auf!

www.Hollarius.de

Seit Monaten, so fühlt es sich an, macht man von allen Seiten Werbung für die Piratenpartei. Die Telekom, weil sie drosseln will, die bayrischen Abgeordneten, weil sie für tausende Euros ihre Kinder anstellen, die Frankfurter Polizei, weil sie die Blockupy-Demo in Polizeistaatmanier misshandelt hat, und PRISM, was für eine Steilvorlage, und die Sache mit den Bestandsdaten, hey, die Kernis sollten eigentlich seit Wochen durchfeiern.

Ganz ehrlich, das wäre eine Erklärung. Weil sonst die weitgehende Stille in unseren Reihen einfach nur peinlich sein kann. Hier in NRW haben wir so vier Kandidaten, die bei fünf Prozent sicher drin wären, die in Sachen Datenschutz was sagen können, zumindest, wenn man deren Vorstellungsreden im Hinterkopf hat. Eigentlich, so würde ich erwarten, müssten diesen Kandidaten die Tastaturen glühen. Eigentlich müsste inzwischen alles, was PRISM für uns bedeutet, für Europa bedeutet, für die Welt bedeutet, genau beleuchtet sein. Wir als Piraten müssten das den Menschen erklären. Aber das…

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Ein neues Menschenbild

Vorbemerkung: Dieser Artikel ist eigentlich Teil des größeren Artikels Warum Deutschland die Piraten braucht. Er kann einzeln gelesen werden, ist im Kontext aber wahrscheinlich besser verständlich.

Ein neues Menschenbild

In diesem Abschnitt möchte ich noch einmal präziser auf ein Thema eingehen, das ich in „Die Anderen“ und Direkte Demokratie und „flüssige“ Demokratie bereits angerissen habe; das mir aber als eine derartige Kernqualität und ein so bedeutsames Alleinstellungsmerkmal der Piratenpartei erscheint, dass ich denke, eine ausführliche Behandlung ist mehr als verdient:

In Medien und Talkshows wurden bereits viele Namen für das Konzept genannt, um das es mir geht, unter anderem „Ein neues Betriebssystem für die Politik“, „Politik 2.0“ oder auch sehr treffend „humanprogressive Politik“. Wovon genau also spreche ich?

Die Rede ist von einer inneren Einstellung, die meiner Ansicht nach die gesamte Partei wie keine andere durchdringt und sich in nahezu allen von ihr besetzten Themen wiederspiegelt. Es ist eine neue Betrachtungsweise, nicht nur (aber auch) der Politik oder der Demokratie, sondern auch und vor allem des Menschen an sich und seines Potenzials, dessen, wozu er fähig ist.

Wo andere Parteien in Angst-Mentalitäten gefangen sind; Angst vor dem Menschen, dem Bürger, dem Wähler und den Meinungen und möglichen Entscheidungen der „wankelmütigen Masse“, da sehen die Piraten die unbegrenzte Fähigkeit der Menschen in diesem Land, sich selbst und die Gesellschaft in der sie leben (wollen), neu zu erfinden, sie zu gestalten und gemeinsam eine bessere Zukunft zu schaffen.

Sie sehen, dass die Menschen Deutschland, Europa und die Welt zum Besseren verändern können, wenn man ihnen nur die Chance dazu und die entsprechenden Voraussetzungen bietet. Sie sehen aber auch die Gefahren und Hindernisse auf dem Weg dorthin und die Lösungen, um sie zum Wohle aller zu umschiffen.

Das zeigt sich auch in allen Teilen der politischen Programme, die immer wiederkehrend Visionen in Worte fassen, die dazu aufrufen, dass Menschen für sich und andere, die Gesellschaft und die Zukunft ein hohes Maß an persönlicher Verantwortung übernehmen.

Dabei handelt es sich nicht um jene Art von Verantwortung, in die die Menschen lediglich – z.B. zur Rechtfertigung des mangelnden Engagements überforderter staatlicher Institutionen oder zur Vergemeinschaftung der vorhersehbaren Verluste einer korrupten und risiko-ignoranten Wirtschaftselite – hineingezwungen werden sollen, ohne dabei Rücksicht auf die sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen zu nehmen.

Vielmehr soll jedem Menschen – durch die bedingungslose Sicherung seiner persönlichen Existenz und einer angemessenen sozialen Teilhabe, sowie durch den Ausbau und die Anpassung demokratischer Institutionen an die heutige Zeit und die Herausforderungen von morgen – sowohl die Sicherheit als auch die Möglichkeit zur möglichst direkten Einflussnahme und aktiven Mitgestaltung seines persönlichen Verantwortungsbereiches gegeben werden.

Dieser Geist des Hand-in-Hand-Gehens von persönlicher Freiheit und Verantwortung für das eigene Handeln auf der einen und umfassender und zeitgemäßer staatlicher Fürsorge und Rahmenbedingungen für das soziale Miteinander auf der anderen Seite – die von den Sprechern anderer Parteien oft als unversöhnliche Gegensätze propagiert werden – trieft bei den Piraten aus jeder Aussage und jeder schriftlichen Position.

Das Bild des Menschen, Bürgers und Wählers, das die Piraten hier zeichnen, ist das eines mündigen, kritischen und verantwortungsvollen Teilnehmers und Entscheidungsträgers in einer lebendigen Demokratie, der fähig ist, qualifizierte Entscheidungen zu treffen und die Gesellschaft zum Besseren zu ändern.

Wo dieses Menschenbild sich noch nicht mit der Realität deckt, setzen sie alles daran, die Voraussetzungen für eine entsprechende Entwicklung zu schaffen und den Souverän in die Lage zu versetzen, seine ihm nach dem Grundgesetz zustehenden Rechte wahrzunehmen. Vor allen Dingen wird diese Aufgabe als Herausforderung verstanden und nicht als Hindernis, das dazu berechtigen würde, dem Souverän seine Rechte abzusprechen oder sie zu beschneiden, wie die „etablierten“ Parteien und Politiker es aus Angst vor dem Verlust persönlicher Macht nur allzu gerne tun.

Dieses Menschenbild der Piraten wiegt für mich im gesamten deutlich mehr, als einzelne Forderungen in Grundsatz- oder Wahlprogramm (die oft auch andere Parteien teilweise besetzen). Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal in der heutigen politischen Landschaft, das allein es schon wert ist, den Piraten eine Chance zu geben!

Deutschland braucht die Piraten – für ein von persönlicher Freiheit und Verantwortung, sozialer Teilhabe und Sicherheit geprägtes Menschenbild!

Deutschland braucht die Piraten – um den mündigen Bürger als Chance, nicht als Bedrohung, zu sehen!

Deutschland braucht die Piraten – gegen die Kultur der Angst und für eine neue Offenheit in der Politik!

 

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Regulierung der Wirtschaft

Vorbemerkung: Dieser Artikel ist eigentlich Teil des größeren Artikels Gute Ideen ohne Umsetzer, der wiederum Teil des Artikels Warum Deutschland die Piraten braucht ist. Er kann einzeln gelesen werden, ist im Kontext aber wahrscheinlich besser verständlich.

Regulierung der Wirtschaft

In der heutigen Politik ist eine zunehmende Tendenz zu erkennen, die klassische soziale Marktwirtschaft, die das Ziel verfolgt, den Akteuren auf den freien Märkten sinnvolle Rahmenbedingungen aufzuerlegen, die ihr Handeln zum Wohl der gesamten Gesellschaft hin lenken sollen, auf breiter Front zu untergraben und einer weitgehenden Deregulierung der Wirtschaft zu gunsten großer Unternehmen Vorschub zu leisten.

Das Konzept einer deregulierten Wirtschaft ist aus meiner Sicht schon deshalb nicht funktionsfähig, weil es von den Bedingungen eines idealen Marktes ausgeht, der in der Realität nicht gegeben ist und auch niemals gegeben sein kann: Kriterien für einen idealen Markt sind bspw. ein Punktmarkt, auf dem keine zeitlichen, räumlichen (z.B. Lieferzeiten, Anfahrtswege) oder persönlichen (z.B. sympathisches Gesicht eines Firmengründers, Werbung) Präferenzen herrschen, eine vollkommene Markttransparenz für alle Akteure und die Gleichartigkeit aller gehandelten Güter. Auf einem solchen Markt würden sich alle Akteure „rational“ verhalten und dadurch der größte Nutzen für alle Beteiligten entstehen.

Es ist leicht zu erkennen, wie vieles davon in der Realität nicht zutrifft: Da geht man als Kunde zum Bäcker, der auf dem Weg zur Arbeit liegt (obwohl der drei Straßen weiter das Brötchen vielleicht ein paar Cent billiger hat), da werden Kunden durch Werbung gezielt über Eigenschaften von Produkten belogen oder müssen auf welche hingewiesen werden, von denen sie sonst nichts erfahren hätten (ergo: keine Transparenz) und die verkauften Produkte weisen teilweise erhebliche Unterschiede in Qualität oder Herstellungsverfahren auf.

Auch sind sich die Anhänger der vollkommenen Marktliberalität, die immer wieder darauf pochen, dass sich der Staat doch nach Möglichkeit vollständig aus „der Wirtschaft“ herauszuhalten habe, offenbar in erschreckendem Ausmaß der Tatsache nicht bewusst, was alles wegfallen würde, wenn der Staat der Forderung einer vollkommenen Deregulierung tatsächlich nachkäme:

Beispielsweise garantiert der Staat für die Einhaltung von vertraglichen Vereinbarungen, die man falls nötig auch einklagen kann. Auch garantiert er für grundlegende Rechte, die die Akteure in der Wirtschaft gegeneinander geltend machen können, weil sie eben nicht nur wirtschaftliche Akteure, sondern vor allem Menschen sind. Und er sorgt für wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Bereichen, die für Unternehmen nicht monetär bezifferbar, aber für die Gesamtgesellschaft von unschätzbarer Bedeutung sind (z.B. die Erhaltung der Umwelt oder sozialverträgliche Arbeitsbedingungen).

Dennoch sind insbesondere die Vertreter großer Unternehmen immer bereit, diese Forderungen gegenüber der Politik lautstark zu vertreten – und ihre Forderungen mit finanzstarken „Argumenten“ zu unterstützen. Und unsere Politiker gehen nur allzu oft gern auf diese Angebote ein.

Natürlich, warum sollten sie auch nicht, wenn sie aus ihrem gesamten Umfeld heraus immer wieder bestärkt werden, dass solches Verhalten zum normalen politischen Betrieb gehöre und immerhin hat man es dort doch auch mit Experten zu tun? Die Interessen der Wähler und damit des Volkes, des eigentlichen Souveräns einer jeden Demokratie, geraten dabei natürlich regelmäßig ins Hintertreffen.

Wer solchen Zuständen einen Riegel vorschieben will, wer erreichen will

  • dass der Sozialabbau zugunsten großer Unternehmen (und natürlich auch Banken) aufhört,
  • dass die immer wieder versprochene Regulierung der außer Kontrolle geratenen Märkte und die soziale Marktwirtschaft keine leeren Phrasen bleiben, die nach der Wahl regelmäßig ins Gegenteil verkehrt werden und
  • dass die Stimme des Volkes mehr Gewicht hat als die Einflüsterungen von finanzkräftigen Lobbyisten,

der sollte den Mut haben, eine Partei zu wählen, die sich ausdrücklich die Ziele von Bürgerbeteiligung, Transparenz, sozialer Teilhabe und Lobbyismus-Abstinenz auf die Fahnen geschrieben und sich an diesen Idealen messen lassen will! (Und mal ganz ehrlich – schlimmer kann es in der Hinsicht kaum werden, oder? ;-))

Hier noch ein nettes kleines Infotainment-Video zum Thema Lobbyismus:


von alexanderlehmann (http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/videos/extra2643.html) [CC-BY-NC-ND-3.0-de], via Vimeo.com (für vollständige Angabe der Beteiligten siehe Ende des Videos)

 
 

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Die Alternativstimme

Vorbemerkung: Dieser Artikel ist eigentlich Teil des größeren Artikels Gute Ideen ohne Umsetzer, der wiederum Teil des Artikels Warum Deutschland die Piraten braucht ist. Er kann einzeln gelesen werden, ist im Kontext aber wahrscheinlich besser verständlich.

Die Alternativstimme

Diese Idee behandelt die Einführung einer Alternativstimme, mit der der Wähler eine Partei wählen kann, die seine Zweitstimme erhält, sollte seine eigentlich bevorzugte Partei aufgrund der 5%-Hürde den Einzug in den Bundestag nicht schaffen. Es könnte sogar die Möglichkeit geschaffen werden, mehrere Parteien entsprechend der eigenen Präferenz anzuordnen (z.B. erst die Piraten, schaffen die es nicht, dann die Linke, wenn die auch nicht, dann die SPD usw.).

Diese Idee würde kleinen Parteien trotz der 5%-Hürde den Einzug in den Bundestag erleichtern, weil ihre Wähler im Zweifelsfall nicht mehr davon ausgehen müssen, dass ihre Stimme „nicht gewertet“ wird, wenn ihre Partei es nicht schafft. Die durch die bisherige Praxis entstehenden Verzerrungen bei der Abbildung des Wählerwillens im Parlament könnten so minimiert und die durch die 5%-Hürde beabsichtigte Verhinderung der „Zersplitterung“ des Parlaments trotzdem beibehalten werden.

Klingt doch eigentlich ganz gut, oder? Nur warum macht es dann niemand? Ganz einfach: Die Parteien, die bereits im Bundestag vertreten sind, sind auf eine Alternativstimme nicht angewiesen; sie wissen in der Masse bereits sicher (bis vielleicht auf die FDP ;-)), dass sie die 5%-Hürde überschreiten werden. Sie sehen also persönlich keinen Vorteil darin. Sie können aber absehen, dass der Einzug kleinerer oder neuer Parteien in den Bundestag ihren Anteil am „Kuchen“ natürlich schmälern würde – dass sie das nicht wollen können, ist klar. Auf die Bedürfnisse des Volkes in einer Demokratie wird dabei erschreckend wenig Rücksicht genommen.

Für die Vorantreibung einer solchen Veränderung des Wahlrechts braucht es folglich Parteien, die genau von dieser Problematik selbst betroffen sind und ja – die natürlich ein äußerst eigennütziges Interesse daran haben – z.B. die Piraten. 😉 Aber der Nutzen für das gesamte „Wahlvolk“ wurde ja bereits aufgezeigt und warum soll man nicht etwas Gutes für die Allgemeinheit tun, das einem auch ganz persönlich nützt? Da schlägt man doch zwei Fliegen mit einer Klappe. 😀

 

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Direkte Demokratie und „flüssige“ Demokratie

Vorbemerkung: Dieser Artikel ist eigentlich Teil des größeren Artikels Gute Ideen ohne Umsetzer, der wiederum Teil des Artikels Warum Deutschland die Piraten braucht ist. Er kann einzeln gelesen werden, ist im Kontext aber wahrscheinlich besser verständlich.

Direkte Demokratie und „flüssige“ Demokratie

Stell dir vor, du lebst in einem Land, in dem du als Bürger über die politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen, die uns alle betreffen, mitbestimmen kannst. In dem du nicht mehr auf „die da oben“ schimpfen und ohnmächtig mitansehen musst, wie Politiker, die vorgeben, dich zu vertreten, Entscheidungen treffen, bei denen du dir am liebsten den Kopf gegen einen harten Gegenstand knallen würdest. In dem du selbstbestimmt über die Zukunft Deutschlands, Europas und der Welt mitentscheiden kannst – denn du bist Teil des Volkes, des Souveräns, des eigentlichen Regenten dieser Demokratie.

Du möchtest in einem solchen Land leben? Dann weißt du bereits, was du tun willst – jetzt stellt sich die Frage, wie das geht. Ganz einfach – durch mehr direkte Demokratie. Oder noch besser: durch „flüssige“ Demokratie – auch genannt „Liquid Democracy“.

Der Begriff „direkte Demokratie“ ist dabei fast selbsterklärend: Er bedeutet, dass du – der Bürger – direkt und nicht nur durch die Wahl von Repräsentanten, die dich naturgemäß nicht in allen Belangen wirklich repräsentieren können, an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen beteiligen und eigene Ideen einbringen kannst. Aber auch bereits eine direktere Wahl der Repräsentanten kann ein Schritt in Richtung direkte Demokratie sein.

Hier ein Beispiel für letzteres: Weißt du eigentlich, wie und vor allem durch wen die höchsten Ämter in unserem Staat besetzt werden? Eines ist sicher – durch dich nicht! Sie werden von den politischen Parteien in diesem Land gewählt oder direkt durch die gebildete Regierung bestimmt. Sie werden also von Leuten gewählt, die du vorher gewählt hast – viel indirekter geht es kaum.

Wenn du nur mal grob über den Daumen gepeilt im Kopf durchgehst, zu welchem Prozentsatz du die Themen, die dir wichtig sind, als durch die gewählten Abgeordneten im Bundestag angemessen vertreten siehst – 90%? 75%? oder vielleicht sogar 50 oder weniger? – dann wirst du wahrscheinlich zu dem Ergebnis kommen: Dieser Wert könnte höher sein. Und wenn du dir nun überlegst, dass diese Leute wiederum die Menschen wählen, die die mächtigsten Ämter im Staate besetzen, dann kannst du dir sicher vorstellen, wie groß dieser Wert bei denen noch sein wird.

Wäre es da nicht viel besser, du könntest selbst über das entscheiden, was dir wichtig ist?

Kommen wir nun zum zweiten o.g. Begriff: Liquid Democracy oder „flüssige“ Demokratie. Was heißt das? Es ist im Grunde eine Idee dafür, wie man die Vorteile der klassischen repräsentativen Demokratie und der oben beschriebenen direkten Demokratie am besten verbinden und die jeweiligen Nachteile minimieren kann.

Wenn du weiter oben im Text bereits daran gedacht hast, welche Themen dir wichtig sind und wie du sie vertreten siehst, dann merkst du sicher auch, dass es ebenso Themen gibt, die du nicht so spannend findest – dir ist möglicherweise aber auch bewusst, dass sie ebenfalls sehr wichtig sein können. In einer rein direkten Demokratie besteht dadurch die Gefahr, dass wichtige aber z.B. schwer vermittelbare Themen, schnell von Extremisten vereinnahmt werden können, die ihre Sicht der Dinge durchsetzen können, einfach weil es sie interessiert und sie ihre Sympathisanten besser mobilisieren können.

Wie sorgst du nun dafür, dass so etwas nach Möglichkeit nicht passiert? Ganz einfach: du lässt dich von jemandem repräsentieren! Jetzt könntest du denken: Hä? War repräsentative Demokratie ein paar Zeilen weiter oben nicht gerade noch was schlechtes? Das trifft auch zu, wenn sie allein steht. Aber Liquid Democracy ist der Versuch hier „das beste beider Welten“ zu vereinen. Wie das geht? Ganz einfach:

In der „flüssigen“ Demokratie hast du nicht nur die Wahl, entweder alle Einflussmöglichkeiten an einen Repräsentanten abzugeben oder alles selber entscheiden zu müssen – du kannst stattdessen für jedes Themengebiet (z.B. Wirtschaft oder Außenpolitik), aber auch für jedes spezielle Thema (z.B. „Euro-Rettung“ oder Asylpolitik) und sogar für jede Einzelentscheidung (z.B. eine spezielle Staatsausgabe oder die Abgabe eines bestimmten Kompetenzgebietes an die EU) separat festlegen, ob du die Entscheidung selbst treffen oder dich von jemandem repräsentieren lassen möchtest. Auch kannst du dich von einer beliebigen Person repräsentieren lassen: Das kann ein Politiker sein, aber auch z.B. ein Experte, den du in einer Fernseh-Diskussion gesehen hast und dessen Ansichten dir vernünftig vorkommen. Oder auch einfach ein Freund, Nachbar oder Arbeitskollege den du kompetent oder sympathisch findest.

Und das beste: Du kannst diese Entscheidung jederzeit ändern und dich direkt in jedes Thema einklinken, das spontan dein Interesse geweckt hat – anstatt nur alle vier Jahre zu wählen. Und keine Sorge: natürlich bleiben auch diejenigen, die es lieber einfach mögen nicht außen vor – es besteht selbstverständlich auch die Möglichkeit, alle Entscheidungen wie bisher z.B. nur auf den eigenen Wahlkreisabgeordneten zu übertragen.

Denkst du jetzt: Wow, das klingt ja super, aber wie kriegen wir das hin? Nun, dann solltest du – natürlich, was sonst 😉 – die Piraten wählen. Denn wieder stellt sich das Problem, dass die „etablierten“ Parteien kein Interesse daran haben können, die Mitbestimmungsmöglichkeiten der Bevölkerung zu erhöhen. Man merkt tagtäglich an der Rethorik unserer Politiker, dass in unserer politischen Kultur der Wähler zunehmend nicht als mündiger Bürger angesehen wird, dessen Meinung gehört werden muss und der fähig ist, eigenverantwortliche und qualifizierte Entscheidungen zu treffen, sondern als Ärgernis oder lästiges Übel, das alle vier Jahre wieder besänftigt werden muss.

Die Piraten stehen hier wiederum nicht nur für neue politische Instrumente, sondern für eine ganze neue dahinterstehende politische Kultur und Mentalität, deren Anstoß wieder einmal nur noch von außen kommen kann. Der Weg dahin wird lang und steinig sein und wir werden Widerstände und Rückschläge in Kauf nehmen müssen – aber gemeinsam können und werden wir es schaffen, wenn wir es nur jetzt wagen, den ersten Schritt zu machen!

 

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