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Schlagwort-Archive: Bürgerrechte

Überwachungsstaat oder Demokratie?

In diesen Wochen erlebe ich ein tägliches Trommelfeuer an Nachrichten, die ein grausiges Gesamtbild zeichnen: Die westlichen Demokratien sind längst so schwach, dass sie gefährlich weit auf dem Weg in eine Zukunft von Überwachungsstaaten vorangeschritten sind. Die täglichen Nachrichten sind so schockierend, dass ich inzwischen aus dem Entsetzen nicht mehr herauskomme. Nicht nur speichert der Staat, mit wem wir wann und wie oft Kontakt hatten. Geheimdienste hören jedermanns Kommunikation ab. Seit den Enthüllungen von Edward Snowden ist der Welt klar, dass niemandens Privatsphäre respektiert wird. Was der deutsche Geheimdienst nicht darf, tut der britische oder amerikanische und gibt dann die ausgespähten Daten an den deutschen weiter. Und umgekehrt. Unsere Privatsphäre wurde uns genommen, ohne uns zu fragen. Im Juni hat Edward Snowden seinen Mut gefasst, um uns das zu sagen. Dafür nahm er sichere persönliche Verfolgung in Kauf. Bis heute kann er sich seiner Zukunft nicht sicher sein. Noch lange wird er seine Familie in Freiheit nicht wiedersehen können. Sogar Journalisten wie Glenn Greenwald, die von diesen Enthüllungen berichteten, wurden mit allen Mitteln der Staatsgewalt verfolgt. Selbst vor dessen Ehemann hat man nicht Halt gemacht. David Miranda, der damit nichts zu tun hatte, wurde am Londoner Flughafen für neun Stunden festgesetzt und verhört. Seine elektronischen Geräte wurden beschlagnahmt und die Herausgabe seiner Passwörter gefordert. Unter Androhung von 6 Monaten Gefängnis. Unterdessen veranlassten und beaufsichtigten britische Geheimdienstagenten die Zerstörung von Festplatten im Verlagsgebäude des Guardian, der zu den letzten regierungskritisch schreibenden Medien gehört. Festplatten mit unbequemem Inhalt – unbequem für die Regierung. Die Pressefreiheit als letzter Garant des Rechtsstaats wurde damit restlos zerstört.

Wie konnte das nur passieren?

Die westlichen Demokratien sind bereits so umgekippt, dass es eine große Aufgabe wird, sie wieder aufzurichten. Politikwissenschaftler nennen diesen Zustand “Postdemokratie”. Ich will dafür keinen wissenschaftlichen Namen, ich will Heilung. Die brauchen wir dringend. Früher in der Schule habe ich gelernt warum es schlecht ist, dass in der DDR Briefe geöffnet und Telefonate abgehört wurden. Dass es keinen freien Journalismus gab und dass Andersdenkenden das Leben zur Qual gemacht wurde. Um frei denken und politisch mitbestimmen zu können, brauchen Menschen Demokratie und Grundrechte, die die Interessen der Menschen vor dem Staat beschützen. In den Achtzigern gingen in Westdeutschland die Massen gegen Volkszählung auf die Straße, weil der Staat ihnen Fragen stellte. Wo bleiben heute die Massen? Heute fragt der Staat nicht, sondern bedient sich ganz unverschämt selbst an unseren Daten. 2007 wurde die Vorratsdatenspeicherung beschlossen. Das fand ich gefährlich, also zog ich schließlich 2009 meine Konsequenz und trat der Piratenpartei bei. Außerdem bin ich Mitglied bei digitalcourage e.V. und Mehr Demokratie e.V.

Demokratiedefizite

Die Regierungen schränken auch in Deutschland seit Jahrzehnten Grundrechte ein. Dass die Politiker einfach in der Schule nicht aufgepasst hätten, erklärt diesen Fehler nicht. Die Ursache sind Demokratiedefizite. Die Bedürfnisse der Menschen werden nicht direkt berücksichtigt, sondern kommen von den Menschen über Parteien, über Fraktionen, über Koalitionen in Regierungen. In jedem Schritt werden sie schwächer. Die Regierungen sind von den ursprünglichen Bedürfnissen so weit entfernt, dass die meisten davon auf der Strecke bleiben. Die Entscheidungen werden nicht ständig von der Allgemeinheit getroffen, sondern etwa in Koalitionsverhandlungen. Auf Ministerposten schielend, verzichten die etablierten Parteien nur allzu gern auf ihre im Wahlkampf gemachten Freiheitsforderungen und erhalten dafür Steuergeschenke für ihre jeweilige Klientel. Gesetze werden oft direkt von Lobbyisten geschrieben und dann von wenigen Politikern durchgewunken, die digitale Medien nicht verstanden haben. Der Allgemeinheit nützt diese Politik nicht, sondern nur sehr wenigen. Genau deswegen gehen immer weniger Menschen zur Wahl. Manche resignieren sogar und interessieren sich schon nicht mehr. Dadurch stärken sie den Irrsinn noch weiter.

Die Folgen

Ganz Griechenland wird dazu gezwungen, die öffentliche Daseinsfürsorge zusammenbrechen zu lassen, der deutsche Sozialstaat wird zusammengestrichen, Hartz-IV-Bezieher werden illegal gegängelt und in nackte Existenzangst getrieben, damit unsere Steuermilliarden Banken retten, deren Manager sich verspekuliert haben. Ich könnte noch seitenweise aufzählen. Warum das alles passieren konnte? Weil wir es zugelassen haben. Weil es uns egal war. Wir haben uns zu einem Staat entwickelt, der gegen uns arbeitet. Aber: Alle Gewalt geht vom Volke aus. Also können wir unsere vernachlässigte Demokratie reparieren. Dafür ist es höchste Zeit.

Piraten

“Die Piraten haben der überbordenden Überwachung nichts entgegenzusetzen”, heißt es manchmal. Genau das Gegenteil stimmt. Wir Piraten ziehen in den Kampf mit der schärfsten Waffe, die es dagegen gibt: Starke Demokratie. Wir fordern stärkere Bürgerbeteiligung und Volksentscheide auf allen Ebenen weil wir überzeugt sind, dass Menschen nach ihren Bedürfnissen gefragt werden möchten. Wer mich fragt, ob ich auf das eine oder andere Grundrecht teilweise verzichten würde, hört ein lautes “Niemals!”. Damit öffentliche Debatten fundiert sind, fordern wir Transparenz des Staatswesens und chancengleiche Bildung für alle. Damit wir die tatsächlichen Beweggründe der Politiker aufdecken können, fordern wir Offenlegung ihrer Nebeneinkünfte. Und damit keine neuen Überwachungsgesetze entstehen können, fordern wir eine Stärkung der Grundrechte, sowie die ein Moratorium und die Rücknahme der bisherigen Überwachungsmaßnahmen. In den Parlamenten, in denen bereits Piraten vertreten sind, konnten wir für diese Ziele immer wieder Einzelschritte erreichen, und tun es weiterhin. Alle anderen Parteien im Bundestag haben Überwachungsgesetze beschlossen. Um das zu beenden und rückgängig zu machen, treten Piraten für den Bundestag an. Dort werden sie dringender gebraucht denn je. Ich will eine starke Piratenfraktion im Bundestag sehen. Liebe Freunde der Demokratie: Gemeinsam müssen wir jetzt Überzeugungsarbeit leisten. Ich will meiner Nachwelt keinen Überwachungsstaat hinterlassen.

von Kevin Price (http://flaschenpost.piratenpartei.de/2013/08/31/ueberwachungsstaat-oder-demokratie/) [CC-BY-SA], via Flaschenpost

 

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Es lebe die Lüge!

Was ich heute zu sagen habe, mag für einen Piraten eher untypisch klingen. Ich will aber versuchen es zu erklären und natürlich steht auch etwas Ironie und schwarzer Humor dahinter – wer sie findet, darf sie behalten. 😉

Hier also kommt mein Anliegen: Ich möchte gefälligst anständig belogen werden! Und das – ja, auch und gerade(!) – von unseren regierenden Politikern.

Wie kommt es nun zu dieser sehr unorthodoxen Aussage, als Mitglied einer Partei, die wie keine andere für Transparenz und einen umfassenden Informationsanspruch des Bürgers gegen die Politik einsteht? Ganz einfach: Es kommt dazu, durch meine Fassungslosigkeit über die Art und Weise, wie die Politik derzeit auf die berechtigten Sorgen der Bürger angesichts des Skandals um Überwachung, PRISM und Tempora reagiert – oder eben nicht reagiert. Und dadurch, dass ich – wider alle Desillusionierung – doch immer noch ein gewisses Mindestmaß an Anstand im Umgang mit dem Souverän einer Demokratie erwarte.

Was das nun damit zu tun hat, dass ich belogen werden will: Es gibt meiner Ansicht nach verschiedene Wege, wie die Volksvertreter einer Demokratie damit umgehen könnten, wenn sie wissen, dass sie gegen ihr (Wahl-)Volk absolute Sch**** gebaut haben. Davon sind einige besser und einige schlechter als andere – und einige sind einfach nur daneben! Leider hat sich unsere Politik für Letzteres entschieden…

Hier die verschiedenen Möglichkeiten, wie man meiner Ansicht nach mit der Situation hätte umgehen können:

  1. Die beste (und eigentlich einfachste) denkbare Möglichkeit: Einfach keine Sch**** bauen! Sich als Politiker gefälligst vorher überlegen, ob das, was man so vorhat dem Bürger vielleicht irgendwie aufstoßen könnte – und das vielleicht nicht deshalb, weil der zu blöd wäre, die höhere Logik der politischen Sphären zu verstehen, sondern weil er sich zurecht in seinen Grundrechten verletzt sehen könnte. In diesem Fall könnte man dem Bürger auch ehrlich kommunizieren, dass man nichts zu verbergen hat. Dieser Zug ist allerdings schon lange abgefahren, also weiter:
  2. Die nächste Möglichkeit besteht darin, den Mist, den man gebaut hat, wenigstens geheim zu halten. Das ist zwar eine deutlich schlechtere Möglichkeit, sie zeugt meiner Ansicht nach aber zumindest noch von einem gewissen Respekt (man mag es auch Angst nennen ;-)) vor dem Bürger, der einen erneut in Amt und Würden wählen soll. Denn immerhin fürchtet man noch Konsequenzen, sollte die eigene Unfähigkeit, sich selbst an die einfachsten Regeln des Grundgesetzes zu halten, offenbar werden – man gesteht dem Bürger zumindest noch einen gewissen Einfluss zu. Immerhin hat man das zunächst noch versucht, aber nun ist der Skandal ja trotzdem herausgekommen. Wenden wir uns also den weiteren – nun immer weniger erfreulichen – Verhaltensweisen zu.
  3. Ist also der Skandal nun offenbar und alles Leugnen zwecklos, so bleibt noch der letzte ehrbare Ausweg, die Sch**** zuzugeben bevor das eigene Lügengebäude vollständig über einem zusammenbricht und Reformen zu versprechen – die man natürlich nicht wirklich durchführen will, aber die falschen Versprechen erfüllen zumindest ebenfalls den Zweck von Nummer 2 und führen im Prinzip wieder dahin zurück: Das Volk darf sich wieder in seliger Unwissenheit wiegen, bis der nächste Enthüller die Machenschaften des Großen Bruders in’s Licht der Öffentlichkeit zerrt. Auch hier kann man sagen, dass zumindest ein gewisser, dem Anstand geschuldeter Respekt (oder eben Angst) dem Bürger gegenüber noch erhalten bleibt – man denkt zumindest noch, dass der was könnte, wenn er nur wollte. Aber auch diese Abzweigung haben unsere hohen Damen und Herren verpasst. Kommen wir also nun zur letzten Möglichkeit und damit der Kategorie: „Einfach nur daneben!“
  4. Die letzte Möglichkeit, die unsere Politiker hier gewählt haben, spottet nun tatsächlich jeder Beschreibung: Nachdem nun eine sprachlos machende Verletzung unserer Grundrechte durch sie offenbar wurde, haben sie, statt wenigstens Schadensbegrenzung zu betreiben, nichts besseres zu tun, als uns die dreckige Wahrheit quasi ins Gesicht zu spucken und uns mit Floskeln abzuspeisen. In einer Art und Weise, bei der man wirklich nur noch von Verachtung vor dem Bürger sprechen kann, versichern sie uns, dass wir doch bei Gott größere Probleme hätten, wir so wie so alle nur hysterisch und paranoid wären und ist sich auch nicht zu schade, nebenbei mal neue (Super-)Grundrechte zu erfinden und damit anschaulich zu belegen, dass man das Grundgesetz – welches zu „wahren und verteidigen“ man geschworen hat – noch nicht einmal gelesen hat, geschweige denn, dass man vorhätte es zu beachten.

Man geht offenbar – getreu dem Motto: „Wenn Wahlen etwas ändern würden, dann wären sie verboten.“ – bereits davon aus, dass der gemeine Wähler politisch ohnehin keine Größe mehr darstellt, man sich ihm gegenüber also auch nicht zu rechtfertigen brauche. Man hat bei der Ausweitung der Überwachung und Ausspähung der eigenen Bevölkerung jegliches Maß verloren und verkauft es dem zur Unmündigkeit erzogenen Bürger als notwendig für seine Sicherheit – während man genau damit dem Terrorismus noch Antrieb und Motivation verleiht. Man begegnet den Forderungen der Bevölkerung nach Freiheit und Achtung der Bürgerrechte mit Häme und Verachtung, ist man sich doch sicher, ein politisches Klima und System geschaffen zu haben, das die eigene Machtposition noch lange erhalten wird, egal welche Skandale noch bekannt werden. Man hat nicht einmal mehr genug Achtung vor dem angeblichen Souverän dieser Demokratie, dass man wenigstens noch so tun würde(!), als würde man seine Sorgen, Wünsche und Rechte ernst nehmen! So tief sind wir gesunken, dass es ein Fortschritt wäre, wenn wir belogen würden!

Deshalb ist es jetzt an der Zeit etwas zu ändern! Verpassen wir den etablierten Parteien und Politikern bei der nächsten Wahl einen Denkzettel! Zeigen wir ihnen, dass sie nicht so sicher sind, wie sich sich fühlen! Erobern wir uns ein Minimum an Respekt zurück: Es lebe die Lüge! Es lebe die Demokratie!

 
 

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Demonstration gegen Internetüberwachung – Anti-PRISM

In den letzten Wochen war zuerst das amerikanische Spionageprogramm PRISM ans Licht der Öffentlichkeit gekommen und anschließend wurde infolge der ausgewerteten Informationen das britische Gegenstück Tempora bekannt. Das vom US-Militärgeheimdienst NSA initiierte PRISM überwacht weltweit die gesamte elektronische Kommunikation, die über die Server amerikanischer Internetunternehmen läuft. Der britische Nachrichtendienst GCHQ greift mit Tempora an der Glasfaserverbindung zwischen Europa und den USA, die über Nordengland verlegt ist, sämtliche Kommunikationsdaten ab.

»Die zunehmende heimliche Überwachung privater, wissenschaftlicher und geschäftlicher Kommunikationen durch Geheimdienste ist ein unerträglicher Zustand. Es ist Zeit, gegen diese massive Bespitzelung unserer Gesellschaft zu protestieren.«, erklärt Bastian Alex, zweiter Vorsitzender des Kreisverbandes Hameln-Pyrmont der Piratenpartei. “Es freut uns besonders, dass innerhalb so kurzer Zeit ein partei- und organisationenübergreifendes Bündnis zustande gekommen ist. Das zeigt ganz klar, dass dies ein Thema ist, das alle gesellschaftlichen Gruppen angeht.«

Aus dem Kreis Hameln-Pyrmont beteiligen sich an dem Aufruf zur Demonstration: die Piratenpartei, die JuSos sowie Bündnis 90/ Die Grünen.

Um dem Protest gegen die immer stärker werdende Internet-Überwachung Ausdruck zu verleihen, wird das Anti-PRISM-Bündnis am Samstag, den 29. Juni 2013, eine Demonstration gegen Überwachungsprogramme veranstalten. Die Demonstration beginnt um 13 Uhr in Hannover am Kröpcke. TeilnehmerInnen des parteiunabhängigen Bündnisses sind bisher Bündnis 90/ Die Grünen Niedersachsen, die Piratenpartei Niedersachsen, DIE LINKE. Niedersachsen, die FREIEN WÄHLER Niedersachsen, die Grüne Jugend Niedersachsen, die JuPis (Junge Piraten) Niedersachsen, die Jungen Liberalen Niedersachsen, Mehr Demokratie e.V., Digitalcourage e.V. und Digitale Gesellschaft e.V. Unterstützt wird die Demonstration auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Zudem werden sich Aktivisten von Anonymous und Blockupy an der Protestkundgebung beteiligen.

von Constantin Grosch (http://www.piraten-hameln.de/2013/06/demonstration-gegen-internetuberwachung-anti-prism/) [CC-BY-NC-SA-3.0], via Piratenpartei Hameln-Pyrmont

Und für die, die leider nicht dabei sein können – ist ja doch ziemlich kurzfristig 😉 – hier noch ein paar Links zu Petitionen zum Thema:

Weil jede Stimme zählt!

 

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