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Pirate Policy on Drugs (Discuss) – Piratige Drogenpolitik (Diskutiert)

Ein PirateTimes – Artikel von Andrew Reitemeyer.

(Übersetzung ins Deutsche, ursprünglicher Text in englischer Sprache unter http://piratetimes.net/pirate-policies-on-drugs-discuss/)

Assorted Pills 3
von ParentingPatch (https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAssorted_Pills_3.JPG) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Piraten tendieren dazu, die Dekrimininalisierung oder Legalisierung von verschiedenen Freizeit-Drogen zu befürworten, die momentan in den meisten Ländern illegal sind. Das grundlegende Ziel der meisten dieser politischen Ansichten ist Marihuana, aber einige möchten die meisten weichen Drogen verfügbar machen, basierend auf dem tatsächlichen Ausmaß des Schadens, der dem Konsumenten und der Gesellschaft als Ganzes entsteht. Alkohol wird meistens als Vergleichswert benutzt, da er in den meisten Ländern, in denen Piratenparteien gegründet wurden, legal ist. Professor David Nutt hat eine Liste von im Vereinigten Königreich gebräuchlichen Drogen erstellt und sie nach Schaden geordnet.

Drogen-schadenspotenzial-nutt-2010
von LordToran (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Drogen-schadenspotenzial-nutt-2010.svg) [CC0-1.0], via Wikimedia Commons

Freizeit-Drogen

Mehrere Länder, wie etwa die Niederlande and Portugal experimentieren damit, die Gesetze bezüglich Marihuana zu lockern. Seltsamerweise findet die größte Liberalisierung momentan in den USA statt, wo Marihuana für medizinischen und Frezeit-Gebrauch in einigen Bundesstaaten legal zum Verkauf steht. Neuseeland hat weiche Drogen, viele synthetische Cannabinoide, zum Verkauf verfügbar gemacht, solange ihre Sicherheit demonstriert werden kann. Allerdings wurden nach einer verwirrenden Änderung der Tierversuchs-Politik alle „Legal Highs“ wieder verboten. Der Premierminister erklärte, dass während Versuche an Ratten erlaubt seien, er keine Versuche an Hasen erlauben würde. Als sie erfuhr, dass Versuche an nur einer Spezies nicht angemessen wäre, brach die Regierung ein erneutes Verbot aller verfügbaren Produkte übers Knie.

Drogen im Sport

Es gibt auch einen steigenden Gebrauch von leistungssteigernden Drogen im Sport. Hier wird die Idee des Schummelns in der Debatte enthüllt. Die Verwendung unfairer Methoden, um in sportlichen Wettkämpfen einen Vorteil zu erlangen, ist so alt, wie die antiken Olympischen Spiele. Die Regulatoren scheinen im chemischen Fangenspiel immer einen Schritt zurückzuliegen, in diesem scheinbar endlosen Rennen. Auch gibt es die Fitness- und Bodybuilding-Szene, in denen aktuell illegale Drogen zur Zügelung des Appetits und zur Erhöhung der Effektivität der Übungen verfügbar sind. Sollten Piraten dafür streiten, ihren Einsatz zu erlauben, wenn die Risiken, für diejenigen, die sich – im vollen Bewusstsein der Risiken und Nebeneffekte –  frei entscheiden sie auf sich zu nehmen, gering und begrenzt sind?

Drogen für Arbeit und Lernen

In letzter Zeit, sehen wir eine neue Verwendung für Drogen in der Arbeits- und akademischen Welt. Über Jahrzehnte haben Kraftfahrer und Arbeiter, die sich über lange Zeiträume konzentrieren müssen, Stimulanzien benutzt, um durch den Tag zu kommen. Schüler haben auch festgestellt, dass verschreibungspflichtige Medikamente wie Ritalin und Piracetam, zur Behandlung von ADHS und anderen Störungen, die Konzentration und das Durchhaltevermögen beim Lernen erhöhren können. Diese Nootropika sind weit verbreitet. Die ethischen Überlegungen, die hier angestrengt werden sollten, sind, ob das als unfair gegenüber anderen Schülern angesehen werden sollte, die keine solchen Drogen nehmen. Das wird noch komplizierter, wenn man sich bewusst macht, dass die externe kraniale Neurostimulation billig, legal, unaufspürbar und sicher ist. Der schlimmste Nebeneffekt ist eine juckende Kopfhaut.

A Navy officer performs surgery on an Indonesian patient in an operating room aboard USNS Mercy.
von Official U.S. Navy Imagery (https://secure.flickr.com/photos/usnavy/7341200278/) [CC-BY-2.0], via Flickr

Die Ethik ist hier nicht einfach zu erfassen. Wenn wir ein kleines Gedankenexperiment machen, seht ihr, was ich meine. Wir haben eine Chirurgin, der eine riskante, langwierige und hochtechnologische Operation durchführen muss. Sie nimmt eine leistungssteigernde Droge ein, die keine ernsthaften Nebeneffekte hat. Im Endergebnis ist das Leben des Patienten weniger gefährdet und die Erfolgschance ist deutlich erhöht. Sollte sie moralisch verpflichtet sein, sie zu nehmen?

Piraten sind an vorderster Front der Entwicklung innovativer Politik.

Wenn eine Piratenpartei eine Drogenpolitik haben will, wäre es eine gute Idee eine vollständige und informierte Diskussion darüber zu führen und sie inklusiv zu machen.

Diskutiert.

Originaltext in englischer Sprache von Andrew Reitemeyer (http://piratetimes.net/pirate-policies-on-drugs-discuss/) [CC-BY-2.0], via PirateTimes

 

Meine persönliche Position bis jetzt¹: Die Legalisierung von Freizeit-Drogen würde ich definitiv befürworten (welche, darüber kann man streiten), die Benutzung oder Nicht-Benutzung sollte der freien Entscheidung des Individuums unterliegen. Der Staat sollte für notwendige Regulierungen, wie etwa Qualitätskontrolle, Verbraucher- und Jugendschutz und Schutz der Öffentlichkeit (z.B. im Straßenverkehr) zuständig sein, aber nach Möglichkeit keine grundsätzlichen Verbote aussprechen.

Bezüglich leistungssteigernder Drogen in Sport, Schule und Arbeit sehe ich große Risiken: Sollte hier außer Acht gelassen werden, dass es außer dem mündigen Individuum und dem regulierenden Staat auch noch dritte Parteien mit starkem Einfluss gibt, könnten in guter Absicht erlassene Gesetze schnell eine gegenteilige Wirkung zeigen.

Beispielsweise könnte ein Gesetz, dass leistungssteigernde Drogen in der Arbeitswelt auf freiwilliger Basis legalisieren und damit die freie Entscheidung des mündigen Bürgers erlauben soll, schnell zu einem inoffiziellen Zwang zur Einnahme dieser Drogen führen, wenn etwa Arbeitnehmer durch Unternehmen diesbezüglich unter Druck gesetzt werden. In einigen Bereichen der Arbeitswelt, könnte sich sogar die Situation ergeben, dass Arbeitnehmer die zu Leistungssteigerung solcher Art nicht bereit sind, gar keinen Job mehr erhalten. Da ich davon ausgehe, dass die meisten Menschen von sich aus nicht zu solchen Mitteln greifen würden, würde so ein Gesetz, dass die Freiheit des Bürgers erhöhen sollte, im Endeffekt zu Zwangsverhältnissen für noch mehr Bürger als bisher führen. Ähnliche Entwicklungen sind natürlich auch in Schule und professionellem Sport durchaus denkbar.

Sollte eine piratige Drogenpolitik die Legalisierung von Drogen in Arbeit, Schule und Sport befürworten, müssen nach meiner Ansicht vorher Fragen nach der Verhinderung von Zwangsmaßnahmen durch dritte Akteure unbedingt geklärt werden.

 

¹ Dieser Teil gehört nicht mehr zum PirateTimes-Artikel.

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